Willkommen im Möbelprojekt

Nachdem unsere 3 Häuser in der Laguna de Apoyo fertig waren, wurden beinahe alle unsere Mitarbeiter arbeitslos. Nach rund eineinhalb Jahren mit festem Einkommen war das für die Familien eine herbe finanzielle Umstellung/Einbusse.

Da einige Familien regelrecht in Armut verfielen, haben wir uns immer wieder kleinere Arbeiten ausgedacht. Ein paar Metallskulpturen nach eigenem Design, ein neues Gartentor oder funktionelle Dekorationsgegenstände. Die beteiligten Handwerker wurden nicht nur Stück für Stück kunstvoller in ihrer Arbeitsausführung, es machte ihnen auch sichtbar Spass. Unsere Gäste freuten sich über die kreativen Werke und wir alle bekamen motivierendes Feedback. Warum nicht Arbeit "schaffen", die wieder einen Teil der ehemaligen Mitarbeitergruppe in Lohn und Brot bringt und obendrein Freude macht?

Die Idee war geboren...allerdings mussten wir dafür eine Firmengründung auf den Weg bringen, die es in sich hatte. Da wir nicht sicher waren, in welchen Bereichen wir zukünftig vielleicht auch noch tätig sein wollen, haben wir unseren "Businessplan" möglichst breit angelegt. Sieben Monate und drei Anwälte später waren wir am Ziel: Unsere Firma "nica.live" ist nun im nicaraguanischen Handelsregister eingetragen.

 

Unsere erste Stuhlproduktion noch auf dem Grundstück an der Laguna de Apoyo.
 

Unsere Firma brauchte ein eigenes Firmendomizil

Zunächst entwarfen und bauten wir unsere ersten Möbel auf dem Parkplatz in der Einfahrt unseres Grundstückes. Es war uns aber klar, dass wir über kurz oder lang einen Ort benötigen würden, an dem wir weder unsere Nachbarn, aber auch unsere Gäste nicht stören. Schweissen und Metallschleifen sind sehr lärmintensive Arbeiten.

Durch einen Tipp unseres Mitarbeiters Ervin wurden wir auf ein Vermietobjekt auf dem Kraterrand der Laguna (Rim) aufmerksam. Und es passte perfekt: ein kleines Häuschen und rund 1200 Quadratmeter mehr oder weniger ebenes Grundstück waren für unsere Bedürfnisse ideal geeignet. Nach 3 Wochen hatten wir den Mietvertrag in der Tasche.

So sah das Häuschen aus, als wir es angemietet haben. Das Dach war undicht und es gab weder Küche noch Bad.
Rund zwei Monate haben wir benötigt, unsere Werkstätten aufzubauen und das Haus in einen Showroom mit Officebereich umzuwandeln. 

Nun ist die Werkstatt fertig...

Miguel, Ervin und Fernando arbeiten fleissig an unterschiedlichen Projekten. Fernando hat als gelernter Schuhmacher ein Händchen für Leder und kann Sitzbezüge professionell zuschneiden, nähen und montieren.

Miguel übt sich im Schweissen, stets unter der Obhut von Ervin, der ihm immer wieder Tricks zeigt, die die Arbeit vereinfachen. Wir freuen uns immer, wenn Miguel sich mit grosser Motivation einem neuen Teststück hingibt. Aus diesen Übungsstücken sind längst richtig tolle Miniskulpturen geworden, an denen wir, aber auch alle unsere Besucher Spass haben. Respekt, Miguel! Mit deinen 17 Jahren machst Du grosse Schritte im Team!

Ervin staunt manchmal nicht schlecht über sich selbst. Wenn er einen neuen Prototypen entwickelt, dann ist er sehr in sich gekehrt und bemüht sich, die fehlende Erfahrung mit strukturierter Vorgehensweise wett zu machen. Diese konzentrierte Art, sich der Herausforderung zu nähern, bewährte sich bis jetzt immer. Auch für Ervin fühlbar, wenn sich schon nach einigen Arbeitsschritten abzeichnet, wie toll das neue Produkt Gestalt annimmt...und dann verwandelt sich der stille Ervin wieder in einen humorvollen und gelösten Ervin. 

Besonders freut mich, dass wir uns schon ein bisschen "freigeschwommen" haben, will sagen, wir kleben nicht mehr an der handwerklichen Herausforderung, sondern können schon mit Materialien und Formen "spielen", weil wir ein besseres Gespür für Proportionen und Eigenschaften entwickeln konnten.